Donnerstag, 19. Juni 2014

Umdenken

Ich befinde mich in einem Umdenkprozess. Der hat schon vor Längerem begonnen und erstreckt sich nun immer mehr auf weitere Lebensbereiche. Ich spreche davon, wie ich meinen kleinen Beitrag zu einer ökologischeren Lebensweise leisten kann. Dieser Umdenkprozess wird mein restliches Leben andauern, das spüre ich.

Oft denke ich über solche Themen nach. Und oft erscheint es aussichtslos, weil auf dieser Welt schon so viel kaputt ist. Ich will hier nur ein paar Stichworte nennen: Massentierhaltung, Agrarindustrie, Wegwerfen von Lebensmitteln, Umweltverschmutzung, Palmöl, Gefährdung der Saatgutvielfalt und des Trinkwassers, Fracking, … diese Liste ließe sich unendlich verlängern. Diese Themen beschäftigen mich, und daher frage ich mich oft, was ich selbst machen kann, um nicht alles noch schlimmer zu machen. Ich kann nicht die Welt retten, aber ich kann meinen kleinen Beitrag leisten, die bestehenden Probleme nicht noch größer werden zu lassen. Jeder kann das.

Angefangen hat es schon vor längerer Zeit mit der Ernährung. Wir sind nicht vegan und auch nicht vegetarisch, aber wir kaufen sehr viel bewusst ein. Es ist schon ein großer Anfang, wenn man nur ein kleines bisschen darüber nachdenkt, wo die Lebensmittel herkommen und wie sie produziert werden. In diesem Zuge haben wir auch angefangen, viele Bio-Lebensmittel zu kaufen. Aber „richtig“ Bio. Ich bin nicht „bio-blind“, Bio-Gemüse aus Israel , Ägypten  oder Neuseeland z. B. ist für mich nicht Bio. Ebenfalls mag ich keine Discounter-Bio-Produkte, ich versuche darauf zu achten, dass die Produkte für Mensch und Tier fair produziert wurden und man die Herkunft kennt. Für mich gehört es auch dazu, regional  zu kaufen, und dann ist es auch oft konventionelle Ware. Direkt beim Erzeuger zu kaufen, ist eine gute Möglichkeit.

Ich gebe zu, so einzukaufen ist manchmal umständlich und auch zeitaufwendiger. Es ist eben nicht „Einmal hin, alles drin“. Brot beim Bäcker, Fleisch und Wurst beim Metzger, bei dem man weiß, wo es herkommt, Obst und Gemüse beim im Hofladen vom Bio-Gärtner oder beim Bioladen, Milchprodukte und Diverses anderes beim Bioladen, Mehl bei der Mühle. Nur der Rest wird noch beim Supermarkt gekauft. Ich will und kann einfach nicht mehr in einen Supermarkt oder Discounter gehen und dort sorglos alles einladen, was ich brauche. Ich möchte diese Großkonzerne nicht länger mehr als nötig unterstützen. 

Am liebsten würde ich soviel es geht selber machen. Mit einem 40-Stunden-Job und einem gewissen Freizeitbedürfnis ist das jedoch nicht ganz so einfach. Sowas wie Marmelade wird sowieso selbstgemacht und nicht gekauft. Im Sommer baue ich auch Gemüse an (Tomaten, Zucchini – aus samenfestem Öko-Saatgut, versteht sich). Wir haben Apfel-, Birnen- und Zwetschgenbäume, auch Johannisbeeren und diverses anderes. Es ginge noch mehr – ich werde daran arbeiten.

Seit kurzem bin ich nun dabei, mein Wasch- und Putzverhalten zu ändern und stelle nach und nach auf ökologischere Alternativen um. Das geht langsam – wegwerfen tu ich nichts, damit wäre der Umwelt auch nicht geholfen. Aber wenn etwas leer wird, frage ich mich, ob man das wirklich braucht und suche nach Alternativen. Den Ausschlag zum Umdenken in diesem Lebensbereich hat ausgerechnet Procter & Gamble gegeben. Ich habe immer Ariel Compact Color-Waschpulver benutzt. Ich liebte diesen Geruch und liebe ihn immer noch. Aber Ariel hat den Duft gewechselt, und jetzt stinkt das Waschpulver unerträglich. Auf der Suche nach Alternativen dachte ich mir, ich probiere jetzt mal Waschmittel aus dem Bioladen. Damit bin ich auch super zufrieden. Es macht sehr sauber, und die Wäsche riecht frisch, aber nicht künstlich. Ich habe noch weiter im Internet recherchiert, und so stehe ich kurz davor, mir mein Waschmittel selber zu machen. Da gibt es diverse Rezepte, ich werde mich durchprobieren. Als Basis dient im Wesentlichen (hochwertige natürliche) Kernseife und Natron und/oder Soda. Ich bin fasziniert von dieser Idee, natürlicher und schonender geht's kaum. Auch für die Spülmaschine bin ich noch am suchen, denn die herkömmlichen Wasch- und Spülmittel sind ja doch sehr belastend für die Gewässer und die Umwelt, und auch in der Herstellung sind sie nicht ökologisch unbedenklich. Im Gegensatz zum Waschpulver bin ich mit dem Bio-Maschinenspülmittel nicht so zufrieden, das Geschirr wird nicht komplett sauber. Aber ich teste mich durch, irgendwann werde ich schon ein gutes Rezept finden, das sowohl das Geschirr gut reinigt als auch vollständig abbaubar ist.

Auch was Kosmetik und Körperpflege betrifft, macht der Umdenkprozess nicht Halt. Da befinde ich mich noch ganz am Anfang. Das wird nicht leicht, denn ich war immer schon ein Kosmetik-Junkie. Ich habe jedoch in den letzten Jahren schon mehr auf die Inhaltsstoffe geachtet. Haarshampoos und Cremes mit Silikonen verwende ich schon seit Jahren nicht mehr. Aber Silikone sind halt nicht alles. Erdölprodukte wie Paraffin sowie Palmölderivate sind fast überall enthalten. Hier versuche ich auch, nach und nach verträgliche Alternativen zu finden.

Bestimmt werde ich immer mal wieder über solche Dinge berichten. Wie gesagt, ich bin mitten im Umdenkprozess, und wenn man sich einmal mehr mit solchen Themen beschäftigt, kann man nicht mehr zurück. Aber das möchte ich auch gar nicht. Ich will nicht mehr „herkömmlich“ leben, ich kann das auch mit meinem Gewissen und Verantwortungsbewusstsein nicht mehr vereinbaren.


For my English speaking readers:

I’m sorry but it would be very difficult for me to express these thoughts in English, so I just give you an abstract: My post is about rethinking, about a better way of life, living more ecologically and protecting the environment. I’ve written about conscious shopping of food and about self-made alternatives for conventional cleaning agents.

Kommentare:

Krawuggl hat gesagt…

Das versteh ich jetzt aber nicht, dass hier noch keine Kommentare sind, denn das Thema ist doch sehr spannend und interessiert bestimmt viele.
Also Fleisch/Wurst, Brot und Gemüse kauf ich schon immer in den einzelnen Läden oder am Markt, das ist bei uns in der Kleinstadt noch üblich und immer regional, nur Sahne, Nudeln, etc. im Supermarkt, Wir mögen halt die "herkömmlichen" Lebensmittel lieber, die schmecken uns besser, denn wenn ich schon mal Lust auf Nutella habe, dann mag ich auch das richtige, das süße schokoladige und keine Nußcreme die nur so aussieht als ob, aber ganz anders schmeckt.
Putzmittel verwend ich nur ganz wenige, eine Scheuermilch und dann noch Schmierseife von DM, mit der bekomm ich eigentlich alles sauber. Fenster putz ich mit Wasser und Essigessenz, Spüli ist auch von DM aus der Bioserie. Aber du hast recht, am Geschirrspülmittel und Waschmittel könnt ich auch noch arbeiten.
Kosmetik hab ich früher selbst gemacht (in meiner Jugend waren die Bücher von Stephanie Faber sehr aktuell), aber jetzt kauf ich schon seit Jahren entweder Weleda oder Dr. Hauschka und immer wieder Babyserien, die sind so sanft und fein duftend.
Könnt ich gut nähen, dann würd ich mir gern meine ganze Kleidung aus alten Stoffen selbstmachen, denn grad diese Produktion find ich schrecklich, die teuren Firmen genauso wie die billigen. Stricken ist ja schon mal ein Anfang, aber auch da gibt es ja die Angorawolle und das ist nur grauslich.
Dein Post war wieder mal ein schöner Anstoß über einige Dinge mehr nachzudenken, das fängt mit meinem "Land......"-Zeitschriften-Konsum an und geht über gekaufte Leckerchen für die Hunde.
Nach dem Regen hab ich heut viel im Garten aufzuräumen, da kann ich dann schön sinnieren. Dank für den Anstoß!
Mit liebem Gruß,
Suzi

Michaela hat gesagt…

Hallo, das ist ein schöner Artikel zu einem Thema das mir im Moment auch durch den Kopf geht.

Wir kaufen an Putz-/Waschmitteln Frosch Produkte, eigentlich schon immer. Hygieneartikel habe ich komplett auf Weleda/Lavera o.ä. umgestellt, erst war ich nur neugierig, aber dann habe ich gemerkt, wieviel besser mir diese Produkte bekommen.
Deos benutze ich schon seit mehreren Jahren nur noch die aluminiumfreien, da die anderen Deos im Verdacht stehen Brustkrebs zu "fördern". Da gibt es mittlerweile sogar eine Liste bei DM mit einigen herkömmlichen Herstellern, die aluminiumfreie Deos anbieten.

Ansonsten versuche ich Stofftaschen zum Einkaufen zu benutzen und verzichte auf die allgegenwärtigen bequemen Plastikbeutel. Ich würde gerne zu Hause die Plastikbehältnisse reduzieren und gegen Glas/Edelstahl eintauschen. Allerdings produziere ich ja genau bei diesem Austausch auch eine Menge Müll. Aber benutzen möchte ich sie auch nicht mehr so richtig gerne. Da überlege ich noch, wie ich dieses Dilemma lösen kann.

Ich versuche meinen Konsum an Dingen, die ich nicht zum täglichen Leben benötige, zu reduzieren bzw. mich zu fragen, ob ich dieses Teil wirklich brauche. Manchmal schleiche ich tage/wochenlang drum herum und kaufe es dann doch. Oft vergeht aber auch der Drang danach.

Und seit neuestem haben wir statt Wasser aus Plastikflaschen einen Soda-Streamer und fürs Büro nur noch Wasser in Glasflaschen.

Man kann immer noch mehr machen. Ich finde aber, wenn jeder ein kleines bißchen was anders machen würde, also ökologischer, dann wäre das Riesenerfolg. Und da wäre es auch egal, ob es sich um das Konsumverhalten, die Essgewohnheiten, den Plastikmüll oder bequeme Autofahrten handelt, Hauptsache man macht irgendetwas.

Liebe Grüße und ein schönes Wochenende.
Michaela